Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,

wir sind Existenzgründer der WIB GmbH und nunmehr seit 5 Jahren am Standort in Warburg tätig. Wir beschäftigen mittlerweile 19 Mitarbeiter aus fünf Nationen was uns sehr stolz macht.

Aufgrund der zunehmenden Flüchtlingszahlen im Gebiet der Hansestadt Warburg und der Tatsache, dass die städtischen Unterkünfte voll belegt sind, hat der Rat der Hansestadt Warburg Anfang Dezember beschlossen, neue Unterkünfte im Industriegebiet zu errichten. Die Bauarbeiten haben in der Zwischenzeit bereits begonnen.

Auf der uns direkt gegenüberliegenden Straßenseite entstehen zwei Wohngebäude zur Unterbringung von je 80 Personen, aktuell ist nicht absehbar, dass dort eventuell weitere Gebäude hergestellt werden müssen.

Uns liegt es fern, in die Tagespolitik einzugreifen, insofern möchten wir betonen, dass es uns nicht per se um die Errichtung einer Flüchtlingsunterbringung geht, wir würden vor dem gleichen Problem stehen, wenn in unmittelbarer Nachbarschaft beispielsweise ein Internat errichtet werden würde.

Die WIB GmbH ist im Bereich des Maschinen- Stahl und Anlagenbau tätig. Bauteile werden mittels Laser- oder Plasmaschneideanlagen zugeschnitten, wobei diese Geräte teilweise von hoch empfindlichen und explosiven Gasen betrieben werden.

Unser Betrieb ist auch für die Automobilzuliefererbranche tätig, wobei es hier immer wieder zu Notfalleinsätzen dahingehend kommt, dass verunglückte Maschinen schnellstmöglich instand gesetzt werden. Insbesondere bei diesen Einsätzen kommt es zur 24 Stunden Schicht, wobei eine Anlieferung des benötigten Stahls ebenfalls rund um die Uhr erfolgt.

Bei dem bei unseren im Betrieb verwendeten zum Teil hochempfindlichen und gefährlichen Materialien müssen und werden wir nunmehr Sorge dafür tragen, dass keiner der neuen Anwohner hier zu Schaden kommt. Diesbezüglich sind erhebliche kostenintensive Sicherungsmaßnahmen durchzuführen, wobei wir als Existenzgründer unbedingt auf Ihre Unterstützung hoffen müssen.

Bekanntermaßen werden in Städten und Gemeinden hinsichtlich der wachsenden Flüchtlingsströme keinerlei ausreichende Mittel zur Verfügung gestellt, so dass denknotwendigerweise eine Unterstützung durch die Stadt Warburg nicht erfolgen kann.

Die hier vorliegende Problematik gilt jedoch nicht nur für unser Unternehmen, dieses betrifft alle kleineren unmittelbar angrenzenden Unternehmen.

Da Sie sich am 29.02.2016 in unmittelbarer Nähe auf dem traditionellen Heringsessen der CDU in Volkmarsen befinden, würden wir uns freuen und es begrüßen, wenn Sie sich selbst einen kurzen Überblick vor Ort verschaffen könnten.

Wir würden Sie höflich bitten, der Stadt Warburg ausreichend Mittel zur Verfügung zu stellen, dass Sie den ggf. betroffenen Unternehmen insofern zur Seite stehen können.

Bei der Integration unserer neuen Nachbarn sind wir in jedem Fall behilflich und wir werden genauestens überprüfen, ob wir nicht einigen Flüchtlingen Ausbildungsplätze und Arbeit in unserem Betrieb anbieten können.

In freudiger Erwartung einer Zusage verbleiben wir

mit freundlichen Grüßen

Christian Ischen-Böhlen und
Benjamin Wollrath

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